Literaturtipps
Mein aktueller DVD-Tipp: "Mein Kind vom Mars"
Heute mal nichts zum Thema Afrika und auch nichts zum Weiterlesen, sondern dieses Mal eine ganz andere, herzzerreisende Geschichte, zum Anschauen. Ich bin nur durch Zufall auf diesen schönen Film gestoßen, in dem John Cusack meiner Meinung nach oscarverdächtig auf hohem Niveau spielt.
Zur Handlung: Der gefeierte Science-Fiction-Buchautor David Gordon (John Cusack), seit zwei Jahren Witwer (!) adoptiert den sechsjährigen Dennis (Bobby Coleman). Dennis ist aber kein „normales“ Kind, sondern behauptet, vom Mars zu stammen. Er lebt scheu in einem großen Pappkarton, hasst die Sonne und hat fast keinen Kontakt zu den anderen Kindern im Kinderheim. Die Mitarbeiterin des Kinderheims denkt sich: Für einen Jungen, der behauptet vom Mars zu stammen, ist ein Autor, der übers Weltall und ferne Planeten schreibt, wohl der einzige, der sich Zugang zu dem kleinen Jungen verschaffen kann. Und in der Tat: Nach und nach schafft es David mit Unterstützung einer Freundin (Amanda Peet), sich in kleinen Schritten Dennis zu nähern. Zunächst verläßt der Junge seinen schützenden Karton, wagt sich mit Davids Hilfe ins „normale Leben“. Mit unglaublicher Geduld und viel Einfühlungsvermögen entsteht eine erste Bindung zwischen Adoptivvater und –sohn. Doch Dennis bleibt in der Schule ein Außenseiter und nächste Hürden mit der Adoptionsbehörde sind zu nehmen… und schauen Sie selbst, ob es ein Happy End gibt!
Ein sehr gelungener Film, getragen von den beiden Hauptdarstellern John Cusack und dem Jungen Bobby Coleman, der nicht nur für Eltern oder Erzieher ein lehrreicher Film ist. Unterhaltung mit Niveau – nicht nur für graue Novembertage!
Regie: Menno Meyjes
Afrika
- Ansprenger, Franz. Geschichte Afrikas
Beck'sche Reihe 2189. C. H. Beck, 2002.
- Marx, Christoph. Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart
UTB für Wissenschaft 2566. Schöningh, 2004.
- Parker, John & Richard Rathbone. African History. A Very Short Introduction.
Oxford University Press, 2007.
- Grill, Bartholomäus: Ach, Afrika! Berichte aus dem Inneren eines Kontinents
Goldmann, 2005.
Eine wunderbare Mischung aus Abenteuerroman und Sachbuch, mit vielen Hintergründen zu den afrikanischen Ländern. Grill wagt sich an einige schwierige Fragen: Warum geht es manchen Ländern so schlecht und mit welchen Widrigkeiten kämpfen die Menschen in unserem Nachbarkontinent? Ein Buch, das Mythen und Wahrheiten auf den Grund geht, geschrieben vom Afrika-Korrespondenten der Wochenzeitung „Die Zeit“. Ohne Zweifel einer der besten Afrika-Autoren.
Für die Initiative Volkslesen.tv habe ich aus Ach, Afrika! vorgelesen.
- Kapuscinski, Ryszard: Afrikanisches Fieber, Erfahrungen aus vierzig Jahren
Pieper, 2007.
Jahrzehntelang hat der polnische Jourmalist, der leider im vergangenen Jahr verstorben ist, den afrikanischen Kontinent bereist. Er hat dabei immer wieder seinen eigenen Weg der Berichterstattung, des Erzählens, gesucht. Seine Berichte sind nie mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben, oder mti dem Tenor "Das wird nie was!", sondern zeigen einen Blick in den Alltag der Menschen, auf den Kontinent, wo Optimismus und große Katastrophen die engsten Nachbarn sind. Sein erzählerisches Talent macht diesen Reportageband zum kurzweiligen Lesevergnügen. Von ihm stammt mein Lieblingszitat, dass Sie unter der Rubrik "Meine Themen" wiederfinden. Afrika ist eben sehr komplex, heterogen und oft wird der Katastrophenjournalismus diesem schwer gerecht.
Wie gut, dass es Kapuscinski und Grill gibt, die uns Afrika ins Wohnzimmer bringen. Viel Spass beim Lesen!
Belletristik
- Khaled Hosseini: Drachenläufer
Die Berliner Tageszeitung lobte, Hosseini habe mit seinem Erstlingswerk "ein kleines literarisches Wunder" geschaffen, und in der Tat ist dieser Debütroman des seit zehn Jahren in den USA lebenden Afghanen ein beeindruckendes „Psychogramm“ der afghanischen Gesellschaft und zugleich ein stille Parabel über Schuld und Sühne. Die Geschichte einer Jungenfreundschaft wird vor einem dramatischen politischen Hintergrund geschildert und entführt den Leser in das Afghanistan der letzten dreißig Jahre.
Die Freundschaft zweier Jungs steht im Vordergrund der Geschichte: Amir, aus reichem Hause, der sich so sehr um die Anerkennung durch seinen Vater bemüht, und Hassan, der gleichaltrige Sohn des Dienstboten mit Hasenscharte. Jeden Tag verbringen sie miteinander, spielen Streiche, begeistern sich fürs Drachensteigen, bis ein schrecklicher Vorfall das Leben beider für immer verändern wird.
Ein Verrat, der beide Wege trennt, bis nach vielen Jahren eine Reise der Wiedergutmachung ansteht….
Man lernt viel über Afghanistan aus der Zeit des Shahs und auch danach. Hosseini schildert im hinteren Teil des Buches auch die Schreckensherrschaft der Taliban und damit spannt sich der Bogen zur aktuellen Diskussion. Ein absolut lesenswertes Buch – mich hat es fest in seinen Bann gezogen, dass ich die halbe Nacht gelesen habe um das Ende zu erfahren. Viel Vergnügen dabei!
- Al-Aswani, Alaa: Der Jakubijan-Bau
Lenos, 2007.
Alaa al-Aswanis Roman, ein Bestseller in Ägypten, stellt dieses Land in einer Weise dar, in die man in dieser Direktheit selten antrifft. Das zehnstöckige Haus , seine Bewohner und ihre vielfältig miteinander verwobenen Leben stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. In den Stockwerken darunter geht es weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau und viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Ein lehr- und spannungsreicher Einblick in das tägliche Leben Ägyptens!
- Timm, Uwe: Rot
Dtv, 2003
Der Roman erzählt von Thomas Linde, einem Jazzkritiker und Beerdigungsredner und seiner leidenschaftlichen Liebesaffäre mit der Lichtdesignerin Iris. Er erzählt von dem toten Aschenberger, der die Siegessäule sprengen wollte, von den Hoffnungen und Wünschen der 68er, von der Farbe Rot, von Lebensläufen und ihren Geheimnissen, von den Utopien und den Verbrechen unserer Geschichte und von der Kostbarkeit des Lebens.